Donnerstag, 22. Dezember 2005
Selbst der ermäßigte Tarif des gestrigen Theaterbesuches von 7,- € hat sich nicht gelohnt. Erneut musste ich leider feststellen, dass die modern inszenierten Theaterstücke nicht viel taugen. So war ich von der Umsetzung des Schillerschen Dramas "Die Räuber" stark enttäuscht.
An wichtigen Nebendarstellern wurde leider genauso gespart, wie an der Kulisse. Dialoge wurden teilweise stark modifiziert und die Handlung verändert. So ist vom Tenor Schillers leider kaum etwas übrig geblieben. 4 Männer besiegen plötzlich eine Armee von 300 Mann und Franz, als einer der Protagonisten, erhängt sich nicht mehr mit seiner goldenen Hutschnur sondern stirbt am Schlafmittel in einer Vittel-Flasche aus Kunststoff. Und der Tod Amalias am Ende war mehr als unnötig, da niemand vorhanden war, der diesen - wie im Original - einforderte. Auch das in eine Berliner Zeitung eingewickelte Schwert wirkte wenig überzeugend.
Anscheinend werden mittlerweile nur noch 2 Kriterien an modernes Theater gestellt: Partiell hohe Lautstärke durch Schreien sowie fast nackte Menschen - Kunst, die mir leider nicht zusagt.
Für Erheiterung sorgten jedoch drei englisch-sprachige junge Frauen, die neben mir saßen. Nach einer Ermahnung einer erbosten Dame vor ihnen stellten sie ihre lebhaften Gespräche recht schnell ein und beschränkten sich darauf, die Hälfte der Zeit mit dem Schreiben von Kurznachrichten zuzubringen.
Wenigstens ergab sich durch diese Veranstaltung die Möglichkeit, auf den heutigen Geburtstag von Max zu warten und dementsprechend anzustoßen. An dieser Stelle auch nochmal alles Gute!
Freitag, 9. Dezember 2005
Ich habe mir diese Woche den zweiten Tonträger dieses Jahres gekauft: "Sinnflut" von Curse. Da sich meine Begeisterung für neue Musik mittlerweile recht in Grenzen hält, habe ich mich natürlich zuvor mit dem kommenden Album beschäftigt - und mich für den Kauf entschieden.
Curse bleibt auch diesmal seiner Linie treu; schon der Titel weist darauf hin. Die Anlehnung an eine 'Sintflut' zeigt wohl die gewaltige Kraft, die von dem Album ausgehen soll. Der verwendete Ausdruck 'Sinnflut' zeigt jedoch, wohin Curses Intention geht: Er will abermals mit Sinn fluten.
Der anhaltende, aus Hamburg übergeschwappte Trend macht jedoch auch leider auch vor Curse nicht halt: Aufgedunsenere, poppigere Beats und weniger Textqualitäten. Dennoch gelingt es ihm, trotz fetterer Beats, seine Textqualitäten nur geringfügig davon beeinflussen zu lassen.
Wenn sich Curse mit Themen auseinandersetzt, tut er dies gründlich, das hat er schon in der Vergangenheit bewiesen - so auch diesmal. Wahrscheinlich ist das auch einer der Gründe, warum 14 der 16 Songs nicht unter 4 Minuten liegen. Die Tiefsinnigkeit des Albums, die schon durch den Titel verdeutlicht wird, stellt sich wahrhaftig ein; und so habe ich mich für den Kauf des Albums entschieden. Nicht zuletzt auch deswegen, weil Curse zu Weihnachten im Jahre 2003 'einfach mal so' eine EP ("Feuer über Deutschland") zum kostenlosen Download gestellt hat. Dass er auch diesmal wieder an seine Fans gedacht hat, durfte ich erfreut feststellen: Vor dem Release des Albums gab es die Möglichkeit, jeden Song im Vornherein teilweise zu hören und zu jedem Song eine Videobotschaft von Curse anzusehen, in der Curse über das entsprechende Lied gesprochen hat.
Leider ist für mich auch hier - wie bei nahezu allen Tonträgern des deutschen Hip-Hops dieses Jahres - ein Qualitätsverlust gegenüber den älteren Alben zu verbuchen; auch, wenn dieser vergleichsweise sehr gering ausfällt. Eben dies ist der Grund, weshalb dieses Album der zweite und letzte Tonträger dieses Jahres für mich sein wird. Qualität und Motivtreue wird von mir, als Kunden, honoriert. Es scheint jedoch, als sei heutzutage ein gewisser Qualitätsverlust nicht abzuwenden, wenn man von seiner Musik leben möchte. Denn im verschärften Wettbewerb und geschwächter Kaufkraft der Verbraucher muss die Musik wohl mehr Menschen gefallen, als je zuvor...
"Sinnflut" bei Amazon
Rezension bei Laut.de
Mittwoch, 7. Dezember 2005
Nach erstmaligem Lesen dieses Bühnenfragmentes, entwarf ich folgendes Urteil:
Nachdem ich über mein letztes Schulbuch ja recht positiv geurteilt habe, muss ich leider sagen, dass ich von dem nachfolgenden Buch eher enttäuscht wurde. "Woyzeck" ist ein Fragment von Georg Büchner, das nie zu seiner Vollendung kam.
Büchner stellt in diesem Werk zwar die Geschichte des verrückten Woyzecks dar, diese lässt mich allerdings recht unberührt. Der Schreibstil Büchners sorgt dafür, dass ich mich nach dem Lesen ausschließlich gelangweilter fühle, als vorher..
Die Geschichte kann sich, vor allem im Kontext betrachtet, als recht interessant erweisen, ist jedoch aufgrund der Sprache nicht in der Lage, mich großartig zu fesseln. Abgesehen davon, dass nur zwischen einigen Szenen ein chronologischer Zusammenhang besteht. Ein weiterer inhaltlicher Zusammenhang ist jedoch leider nicht großartig vorhanden.
Zudem wirken die Szenen, die anscheinend nur der Selbstinterpretation des Dramas selbst dienen, auf mich recht deplaziert und wenig unterhaltsam. Aber das Werk soll schließlich auch nicht unterhalten. Laut Büchner soll der Dichter das darstellen, was in der Geschichte passiert. Ob ihm dies hier gelungen ist, bleibt für mich fraglich.
Ich bin froh, dass das Werk mit seinem kurzen Textvolumen doch recht schnell durchzulesen war :-)
Nach näherer Besprechung und ausführlicher Klausurvorbereitung habe ich erst jetzt die gesamte Tragweite des Dramas begriffen. Ich behalte zwar meinen Vorwurf der schlechten Lesbarkeit aufrecht, empfinde das Stück jedoch sozialkritisch - der damaligen Zeit entsprechend - als recht gelungen. Diese Aspekte sind jedoch ohne intensive Besprechung und/oder zusätzliches Material nahezu unverständlich und müssten daher eigenständig recherchiert werden.
Wenn man sich diesem Arbeitsaufwand jedoch aussetzt, erscheint das Werk in einem wahrhaft anderem und auch sehr viel positiverem Licht als zuvor. Das Problem ist jedoch, dass man ohne dieses Vorwissen weder einen Interpretationsansatz noch eine Verständlichkeit der nicht zusammenhängenden Szenen finden kann. Im Nachhinein ziehe ich jedoch den imaginären Hut vor Büchners kritischem Blick für die damalige Zeit und die übertragene Darstellung in "Woyzeck", dessen Geschichte auf einem historischen Mordfall basiert.
Samstag, 5. November 2005
Nachdem ich heute den Arbeitsspeicher meines Computers auf 1 Gigabyte aufgerüstet habe (256 MB war auf Dauer dann doch zu wenig), kam ich heute Abend in den Genuss des Theaterstücks "Der nackte Wahnsinn" von Michael Frayn.
Von einer Freundin eingeladen trug die heutige vorletzte Aufführung des Theater-Teams der Gustav Heinemann Oberschule (die - irritierender Weise - damit das selbe Kürzel wie meine Schule trägt) stark zu meiner Erheiterung bei. Selten bin ich für 2,- € (alle Nicht-Schüler zahlen 4,- €) so gut amüstiert worden.
Die letzte Aufführung findet am Montag um 19:30 Uhr statt und wird wohl wie die heutige Vorstellung gegen 22:30 Uhr enden. Ich empfehle jedem, der Zeit und Lust hat, sich das Stück anzusehen.
Die detaillierte Darstellung der Geschichte dürfte sich als recht kompliziert erweisen und potentiellen Besuchern möchte ich auch nicht zuviel vorweg nehmen. Den Rahmen der Handlung stellt ein aufzuführendes Theaterstück dar, das - aufgrund der Eigenheiten aller Beteiligten - zu einigen Komplikationen führt.
Dieses Theater im Theater verbleibt mit dem Fazit: Eine grandiose Komödie :-)
Dienstag, 25. Oktober 2005
Nachdem nun die anfängliche Unterrichtsbesprechung dieses Buches eingesetzt hat, kann ich sagen: Ich finde Gefallen an diesem Buch. Schon beim Lesen stellte fest, dass es sich - zum Glück - um eines der besseren Schulbücher handelte. Mittlerweile bin ich einen Schritt weiter: Es gehört definitiv zu den besten Büchern, die ich in meiner Schulzeit bisher lesen sollte.
Die Novelle beinhaltet in der Reclam-Ausgabe nur ungefähr 40 Seiten. Die weiteren enthaltenen 30 Seiten setzen sich aus Anmerkungen, Literaturhinweisen und Nachwörtern zusammen. Die Novelle ist daher recht schnell an einem verregneten Nachmittag durchzulesen ;-)
Auch wenn ich es bisher den Romantikern den Anspruch abgesprochen habe, 'gute' Bücher zu schreiben (dafür umso schönere Gedichte!), muss ich dieses pauschale Urteil durch dieses Werk revidieren. Ich lege jedem, der in seiner Schulzeit nicht verdonnert wurde/wird, dieses Buch zu lesen, nahe, es privat einmal zu lesen. Der Hamburger Leseheft Verlag bietet die Novelle recht günstig für 1,30 € und Reclam für 2,10 € an.
"Sandmann" bei Wikipedia
Montag, 10. Oktober 2005
Vor ungefähr einer Woche habe ich begonnen, Interplays Vorzeigerollenspiel Fallout zu spielen. Auch wenn das Spiel schon einige Tage auf dem imaginären Rücken hat, habe ich mich dennoch daran gemacht, ein Stück postnuklearer Welt zu retten. Nachdem mir dies nun gelungen ist, kann ich sagen: Auch wenn das Spiel keine sonderlich gute Grafik aufweist und mit einigen Bugs und Unsinnigkeiten aufwartet, hat mir das Spielen doch einen Heidenspaß bereitet und somit seinen Zweck erfüllt.
In jedem Fall bin ich sicher, dass mir eine Menge Rätsel/Alternativlösungen entgangen sind, aber das kann ich verkraften. Schade eigentlich, dass keine sonderlich weitreichenden Entscheidungen das Spiel beeinflussten. So entstand zumindest für mich der Eindruck, dass der Unterschied verschiedener Wege am Ende darauf hinauslief, alle Gegner zu eliminieren oder diesen Umstand zu umgehen.
Schade, dass ich das Spiel eine sehr lange Zeit quasi verpasst habe. Zur damaligen Zeit wäre es sicherlich überragend gewesen und so schafft es das Spiel - aufgrund der angesprochenen Schwächen - leider nicht in meine Liste der absoluten Lieblingsspiele.
Freitag, 30. September 2005
Gerade habe ich mir mit zwei Freunden den russischen Kassenschlager "Nochnoi Dozor" angesehen; bei uns: "Wächter der Nacht".
Ich bin mir noch nicht ganz darüber im Klaren, was ich von dem Film halten soll. Ich hatte ein wenig mehr Action, aber auch tiefgehende (philosophische?) Mystik erwartet.
Das Resultat kann von mir eigentlich nur als "bizarr" beschrieben werden; viele Dinge blieben für mich unklar, da man in die handelnde Welt ohne jegliche Anhaltspunkte hineingeworfen wurde. Offene Fragen, die auch nach dem Ende des Films noch existent sind, führe ich darauf zurück, dass dieser Film nur der erste Teil einer Trilogie ist, die erst nach der Komplettierung vollständig sinnerfüllt ist.
Daher erlaube ich mir zum jetzigen Zeitpunkt kein abschließendes Urteil. Alles in allem hat mir der Film allerdings dennoch gut gefallen. Es war mal was 'Anderes', auch wenn mich manche Szenarien ein wenig schmunzelnd an LARP erinnert haben.
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