Am vorgestrigen Abend lief erneut eine Folge "Hautnah - Die Methode Hill". Nachdem vergangene Woche die letzte bisher abgedrehte Episode zu sehen war, begann gestern die erste Staffel - wahrscheinlich von neuem.
Nachdem ich so binnen kürzester Zeit die beiden chronologisch entferntesten Folgen - diesmal auch vollständig - gesehen habe, erscheint mir eine ausführlichere Betrachtung als das letzte Mal durchaus angemessen. Nicht zuletzt auch deswegen, weil dieser Beitrag mittlerweile zum beliebtesten Beitrag von Leuten geworden ist, die anscheinend nach weiterführenden Informationen gesucht haben. Ich denke, dass dies durchaus für die Qualität der Reihe sprechen dürfte.
Story
Die für das 'Criminal Investigation Department' (CID) in England arbeitende 'Detective (Chief) Inspector' (DCI) Carol Jordan nimmt die Hilfe des namhaften Psychologen Dr. Tony Hill in Anspruch, um Serientätern auf die Spur zu kommen. Dementsprechend inspiziert Dr. Hill Tatorte, sichtet Indizien und arbeitet somit als Profiler.
Die Charaktere
Die Protagonisten der Reihe reduzieren sich auf die beiden angesprochenen Personen: Carol und Tony. Die weiteren - regelmäßig auftretenden - Charaktere sind eigentlich ausschließlich weitere Polizeimitarbeiter, deren Charakterisierung nicht sonderlich tiefgründig ausfällt, da auf sie nicht sonderlich eingegangen wird.
Dr. Tony Hill
Eine sehr eigentümliche Figur. Dieser sehr intelligente Psychologe ist mit einem sehr genauen Blick für Details und Kleinigkeiten ausgestattet. Er durchschaut das Muster der Killer, rekonstruiert die Gedankengänge und deutet dementsprechend Indizien. Er versucht, sich auf die Denkweise der gesuchten Personen einzulassen und somit die nächsten Schritte und Möglichkeiten, sie zu fassen, aufzuzeigen. Obwohl ihm dabei außergewöhnlich genaue und plausible Ergebnisse gelingen, ist er dennoch keineswegs allwissend. Auch ihm unterlaufen Fehler - sei es durch den Mangel von Indizien, fehlerhafte Interpretationen oder zu starke emotionale Bindungen.
Die Fähigkeit, sich auf die Gedankengänge der vermeintlichen Psychopathen einlassen zu können, bezahlt Tony mit gesellschaftlichen Defiziten. Er erscheint als eigensinniger Einzelgänger, der sich selbst und die Welt zeitweise nicht allzu ernst nimmt. Wie bei vielerlei solcher Figuren in ähnlichen Filmen und Serien scheint auch er teilweise unter seinen Fähigkeiten zu leiden. Wie Adrian Monk zu sagen pflegt: Es ist eine Gabe – und ein Fluch.
Zudem bringt sich Tony durch die Nähe zu den Straftätern teilweise selbst in lebensgefährliche Situationen.
Wunderbar dargestellt von Robson Green fasziniert die wichtigste Person mit einer Vielzahl von Eindrücken, die dem Zuschauer - teilweise recht subtil - vermittelt werden.
DCI Carol Jordan
Auch sie erscheint als eine einzigartige Figur. Verheiratet mit ihrer Arbeit steigert sie sich teilweise recht stark in ihre Fälle rein. Alles muss - schon alleine, um zu gelingen - in den vorgeschriebenen Bahnen laufen und der Täter um jeden Preis gefasst werden.
Gerade deswegen steht sie auch für ihre Meinungen und Vermutungen, auch gegenüber ihren Vorgesetzten, ein und vertritt diese rigoros. Dass sie dabei großen Wert auf die Einschätzungen und Gedankengänge von "Dr. Hill" legt, wurde schon in der ersten Folge recht deutlich.
Gerade das Verhältnis zwischen diesen beiden eigentümlichen Figuren stellt einen weiteren, spannenden Handlungsstrang dar, der sich durch die Episoden zieht. Eine gewisse Anziehung zwischen den Protagonisten ist nicht zu übersehen, auch wenn sich Carol mehr darüber bewusst zu sein scheint. Trotzdem werden diese Dinge nicht angesprochen sondern in beiderseitigem Wissen irgendwie überbrückt.
Diese Rolle wird glaubhaft und energisch von Hermione Norris dargestellt.
Weitere Daten
| Titel |
|
Hautnah - Die Methode Hill |
| Originaltitel |
|
Wire in the Blood |
| Staffeln |
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bisher 3 |
| Folgen |
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6 (bzw. 3)* / 4 / 4 |
| Länge |
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50-70 Minuten* |
| Land |
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Großbritannien |
| Jahr |
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2002-2005 |
*ZDF sendet die Zweiteiler hintereinander
Atmosphäre
Weitestgehend wird auf rasante Action verzichtet. Vielmehr werden in recht eindrucksvoller und spannender Weise verschiedene Perspektiven dargestellt. Die perspektivische Darstellung variiert zwischen den Folgen. So wird in der einen dargestellt, wie ein Paar ihre Morde plant – parallel zu den Vermutungen Hills, der von zwei Männern ausgeht. Eine andere wiederum zeigt die Morde – wenn überhaupt – durch die Augen der Killer, so dass die Identität und damit verbundene Fragen auch für den Zuschauer offen bleiben. Das Resultat ist, dass sich jedes mal erneut sowohl Spannung als auch die Neugier auf das Ende bzw. auf den Ausgang der Episode einstellt. Dass es nicht nur mir so geht zeigt wohl auch Stefs Frage :-)
Fazit
Bei "Hautnah – Die Methode Hill" handelt es sich um die beste TV-Reihe, die ich in letzter Zeit gesehen habe. Die Briten verstehen es hier vortrefflich, Krimi auf psychologischer Ebene darzustellen. Da diese Reihe auf Buchvorlagen basiert, ist zudem kaum ein Qualitätsabfall zwischen den Staffeln zu verzeichnen. Weiterhin weisen Kommentare derjenigen, die auch die Bücher gelesen haben, darauf hin, dass selbige sehr gut umgesetzt sind und die Hauptrolle mit Robson Green perfekt besetzt wurde.
Nachdem ich nun mehr Einblick erhalten habe, revidiere ich mein letztes Urteil gerne – nämlich ins Positive. Von mir gibt’s jetzt volle 10 Punkte!
Die nächste Folge läuft am Sonntag, dem 26.02.2006, wie gewohnt ab 22:30 Uhr. Ich bin definitiv dabei – wer noch?