Wahrscheinlichkeitsrechnung ist gerade deswegen recht angenehm, weil sie lebensnah und vorstellbar ist - sollte man zumindest meinen. Denn diese Attribute erhält sie erst, wenn auch die Beteiligten halbwegs lebensnahe Vorstellungen von den gestellten Vorgängen haben.
Dass eine Schülerin der Oberstufe das genaue Prozedere eines Lotto-Vorgangs nicht vollständig kennt, ist zwar verwunderlich aber im Prinzip kein Problem. Immerhin hat man ja noch weitere Schüler im Kurs, die eben jenes Prozedere erklären können (sollten).
So entwickelt sich das Volks-Glückspiel durch die Erklärung einer (selbst lottospielenden!) Mitschülerin kurzerhand zur Farce: Auf einem Lottoschein existieren 49 "klitzekleine" Kästchen, die alle ankreuzbar sind. Anschließend wird aus sechs verschiedenen Urnen jeweils eine Kugel gezogen. Klingt interessant: 6 Richtige könnten also stets leicht erreicht werden, wenn keine Zahl doppelt gezogen wird. Und wenn schon; dann wären es immerhin noch 5 Richtige. Und dafür hauen die ständig so riesige Jackpot-Summen raus? Geil.
Der Mathe-Lehrer kann dies natürlich nicht im Raum stehen lassen und korrigiert. Natürlich sind nur 6 der 49 Kästchen anzukreuzen und es werden 6 Kugeln aus einer Urne gezogen.
Als anschließend eine weitere Schülerin fragt, ob die Aufgabenstellung (Wahrscheinlichkeit für genau 4 Richtige berechnen) davon ausgehe, dass die Zahlen in der richtigen Reihenfolge angegeben werden, ist die Ernsthaftigkeit an der Aufgabe vollends verloren gegangen.
Dass meine Schwester (10. Klasse, Realschule) mir soeben das Lotto-System fehlerfrei erläutern konnte, zeigt wohl, dass eine Erklärung dieses Glücksspiels durchaus einem Abiturienten zumutbar sein sollte ...
Schöne Grüße aus Pisa - oder so.