Dienstag, 28. März 2006
Irgenwie scheint man in der Politik die Vergangenheit mittlerweile vollständig vergessen oder verdrängt zu haben. In seiner Rede zum vorgestellten Bundeshaushalt 2006 erklärte Peer Steinbrück heute, dass die geplante Mehrwertsteuererhöhung notwendig sei - zur Konsolidierung des Haushaltes.
Dass das Zustandekommen dieser Steuer schon eine Sache für sich war (CDU: 2%; SPD: 0%), will ich schon gar nicht mehr ansprechen. Aber erinnert man sich in den heutigen Tagen noch an den von der CDU angegebenen Verwendungszweck? Senkung der Lohnnebenkosten.
Abgesehen davon, dass sich die SPD im Wahlkampf gegen die "Merkelsteuer" ausgesprochen hat, lautete der damalige Vorwurf doch, dass sie eh nichts bringe, da sie nur dazu dienen werde, Haushaltslöcher zu stopfen. Merkwürdig, dass Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) heute ausgerechnet jenes wieder darstellt - als notwendig; nicht als verwerflich.
Mich wundert es ernsthaft, dass überhaupt noch jemand Kreuze bei den "Volksparteien" setzt. Für mich persönlich ist dies mit ein Grund für die niedrigen Wahlbeteiligungen am vergangenen Wochenende: Es scheint der Glaube daran zu überwiegen, dass eh nur die Großen etwas zu sagen hätten. Aus der Konsequenz beide nicht wählen zu wollen, geht man lieber gar nicht wählen. Was wohl die andere Hälfte am Wochenende gewählt hätte, wenn die Startvoraussetzungen die gleichen gewesen wären?
Meine Meinung: Lieber eine der kleinen Parteien wählen, als gar nichts. Das zeigt nicht nur mehr Protest, sondern zwingt "die da oben" dazu, anders zu handeln, weil sich der Druck stark vergrößert.
Manche Produktbeschreibungen eignen sich gut, um Erheiterung beim Leser hervorzurufen. Dazu gehört definitiv auch der Hinweis auf einer Kaffeepackung "Crema d'Oro" von Dallmayr, den Nico Lumma vorstellt.
Anscheinend wird dadurch eine neue Insel der Jurisdiktion betreten: ein Cofferight-Verstoß, also ein kaffeetechnischer Rechtsbruch. Was es nicht alles gibt ...
[via lawblog]
Montag, 27. März 2006
Wahrscheinlichkeitsrechnung ist gerade deswegen recht angenehm, weil sie lebensnah und vorstellbar ist - sollte man zumindest meinen. Denn diese Attribute erhält sie erst, wenn auch die Beteiligten halbwegs lebensnahe Vorstellungen von den gestellten Vorgängen haben.
Dass eine Schülerin der Oberstufe das genaue Prozedere eines Lotto-Vorgangs nicht vollständig kennt, ist zwar verwunderlich aber im Prinzip kein Problem. Immerhin hat man ja noch weitere Schüler im Kurs, die eben jenes Prozedere erklären können (sollten).
So entwickelt sich das Volks-Glückspiel durch die Erklärung einer (selbst lottospielenden!) Mitschülerin kurzerhand zur Farce: Auf einem Lottoschein existieren 49 "klitzekleine" Kästchen, die alle ankreuzbar sind. Anschließend wird aus sechs verschiedenen Urnen jeweils eine Kugel gezogen. Klingt interessant: 6 Richtige könnten also stets leicht erreicht werden, wenn keine Zahl doppelt gezogen wird. Und wenn schon; dann wären es immerhin noch 5 Richtige. Und dafür hauen die ständig so riesige Jackpot-Summen raus? Geil.
Der Mathe-Lehrer kann dies natürlich nicht im Raum stehen lassen und korrigiert. Natürlich sind nur 6 der 49 Kästchen anzukreuzen und es werden 6 Kugeln aus einer Urne gezogen.
Als anschließend eine weitere Schülerin fragt, ob die Aufgabenstellung (Wahrscheinlichkeit für genau 4 Richtige berechnen) davon ausgehe, dass die Zahlen in der richtigen Reihenfolge angegeben werden, ist die Ernsthaftigkeit an der Aufgabe vollends verloren gegangen.
Dass meine Schwester (10. Klasse, Realschule) mir soeben das Lotto-System fehlerfrei erläutern konnte, zeigt wohl, dass eine Erklärung dieses Glücksspiels durchaus einem Abiturienten zumutbar sein sollte ...
Schöne Grüße aus Pisa - oder so.
Freitag, 17. März 2006
Da ich am Dienstag leider nicht am Deutschunterricht teilnehmen konnte, habe ich bedauerlicher Weise auch die neusten Äußerungen zu den Abiturklausuren verpasst. Rechtschreibabzüge scheinen das große Plauder-Thema zu sein; doch diese Information war wohl verheerend: zwei Leute ohne Abzug. Aber damit nicht genug - immerhin wären zwei Personen eine bessere Bilanz als nur eine Person.
Die Vehemenz liegt im Detail: Diejenigen, die nicht zu den Auserwählten ohne Abzug gehören, haben aufgrund der Rechtschreibung gleich 2 Punkte weniger (und demnach einen Fehlerquotient von mindestens 5%).
Die nachfolgende Information ist zwar nicht vollständig verifiziert, aber zumindest soll von offizieller Seite mein Name gefallen sein, als es um die Kandidaten ohne Abzug ging. Um ehrlich zu sein halte ich dies auch für recht wahrscheinlich; 2 Punkte weniger wären doch etwas hart. Immerhin ist es mir in letzter Zeit immer mehr gelungen, Rechtschreibfehler zu vermeiden [siehe auch meine letzte Deutschklausur].
Dass ich heute die letzte Deutschklausur meiner Schullaufbahn geschrieben habe, wirkt auf das kleine Freudengefühl, das sich trotz des krampfhaft aufrecht gehaltenen Schulstresses ein wenig ausbreiten kann, durchaus unterstützend - obwohl eine zweistündige Deutschklausur mit gut 600 Wörtern heute recht merkwürdig angemutet hat.
Donnerstag, 9. März 2006
Der Discounter "Plus" bietet in seinem Onlineshop einen 100-Euro-Schein für 89,- € an. Merkwürdig - andersherum hätte ich es eher verstanden :-)
Sieht sich irgendjemand in der Lage, mir den tieferen Sinn dahinter zu erklären?
Und überhaupt: Wieso handelt es sich um einen "originalen" Schein, der aber "nicht umlauffähig" ist?
Mittwoch, 8. März 2006
Als Hobby-Ebayer bin ich auch schon oft über den finalen Satz mit dem "neuen EU-Recht" gestolpert und habe mich gefragt, was das eigentlich sein soll. Immerhin sind die Gewährleistungsvorschriften meines Wissens eigentlich im BGB geregelt.
Spiegel online berichtet nun über dieses Phänomen. Gut so, ich hatte Recht :-)
Donnerstag, 2. März 2006
Gestern war es also soweit - ich sollte gemustert werden. Hier meine Erfahrungen des gestrigen Tages:
12:30 Uhr
Absolut pünktlich betrete ich um halb eins das Gebäude des Kreiswehrersatzamtes. Ein paar Schritte später spreche ich den Pförtner an, der durch eine Glasschreibe von mir getrennt ist und irgendwo in der Gegend umherschaut. Als ich darstelle, was mein Anliegen ist, quatscht er irgendetwas Unverständliches in sein Mikrofon und nimmt seine Ausgangshaltung wieder ein. Mein höfliches Nachfragen ignoriert er vollkommen und starrt mit halb-offenem Mund weiter in die Empfangshalle. Ein wenig lauter "Entschuldigung, ich habe Sie nicht verstanden. Wohin muss ich, bitte?" und er reagiert tatsächlich. Ich solle eine Treppe höher und mich dort anmelden. Na bitte, geht doch.
Ich leiste seinen Worten also Folge und begebe mich ins erste Obergeschoss. Dort warte ich kurz, bis der Empfang wieder besetzt ist und verbringe 5 Minuten bei einem jungen Mann in grauer Militärkleidung, der meine Einladung sehen möchte und anschließend meinen Verdacht bestätigt: Er drückt mir einen Zettel in die Hand. Dieser "Laufzettel" sei für die nächsten "2 bis 3 Stunden" mein "ständiger Begleiter" und ich werde die Etappen, die auf dem Zettel gelistet sind, durchlaufen. Meine nächste Station sei nun der Empfang im zweiten Stock. Schon jetzt nehme ich Gemeinsamkeiten mit Asterix wahr.
Im zweiten Obergeschoss angekommen laufe ich an den zwei Pfeilen, die mir sinngemäß mitteilen, dass ich bloß nicht diese Räume aufsuchen solle, da der Empfang zwei Räume weiter sei, vorbei und gerate an zwei quatschende Damen, die sich auch durch mich nicht von ihren Gesprächen ablenken lassen. Wortlos warte ich auf die Bearbeitung meines schweigend entgegengenommenen Laufzettels und werde nach weiteren 4 Minuten in den gegenüberliegenden Warteraum geschickt.
"Musterung (Bericht)" vollständig lesen
Mittwoch, 1. März 2006
Heute bin ich nun also auf meine Wehrtauglichkeit überprüft worden. Nach dieser einmaligen Erfahrung beträgt meine Tauglichkeits-Signierziffer 5, was in Worten beduetet, dass ich als nicht wehrdienstfähig eingestuft worden bin.
Ein detaillierter Bericht dieses bürokratischen Erlebnisses folgt morgen oder in den nächsten Tagen.
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