Nach erstmaligem Lesen dieses Bühnenfragmentes, entwarf ich folgendes Urteil:
Nachdem ich über mein letztes Schulbuch ja recht positiv geurteilt habe, muss ich leider sagen, dass ich von dem nachfolgenden Buch eher enttäuscht wurde. "Woyzeck" ist ein Fragment von Georg Büchner, das nie zu seiner Vollendung kam.
Büchner stellt in diesem Werk zwar die Geschichte des verrückten Woyzecks dar, diese lässt mich allerdings recht unberührt. Der Schreibstil Büchners sorgt dafür, dass ich mich nach dem Lesen ausschließlich gelangweilter fühle, als vorher..
Die Geschichte kann sich, vor allem im Kontext betrachtet, als recht interessant erweisen, ist jedoch aufgrund der Sprache nicht in der Lage, mich großartig zu fesseln. Abgesehen davon, dass nur zwischen einigen Szenen ein chronologischer Zusammenhang besteht. Ein weiterer inhaltlicher Zusammenhang ist jedoch leider nicht großartig vorhanden.
Zudem wirken die Szenen, die anscheinend nur der Selbstinterpretation des Dramas selbst dienen, auf mich recht deplaziert und wenig unterhaltsam. Aber das Werk soll schließlich auch nicht unterhalten. Laut Büchner soll der Dichter das darstellen, was in der Geschichte passiert. Ob ihm dies hier gelungen ist, bleibt für mich fraglich.
Ich bin froh, dass das Werk mit seinem kurzen Textvolumen doch recht schnell durchzulesen war :-)
Nach näherer Besprechung und ausführlicher Klausurvorbereitung habe ich erst jetzt die gesamte Tragweite des Dramas begriffen. Ich behalte zwar meinen Vorwurf der schlechten Lesbarkeit aufrecht, empfinde das Stück jedoch sozialkritisch - der damaligen Zeit entsprechend - als recht gelungen. Diese Aspekte sind jedoch ohne intensive Besprechung und/oder zusätzliches Material nahezu unverständlich und müssten daher eigenständig recherchiert werden.
Wenn man sich diesem Arbeitsaufwand jedoch aussetzt, erscheint das Werk in einem wahrhaft anderem und auch sehr viel positiverem Licht als zuvor. Das Problem ist jedoch, dass man ohne dieses Vorwissen weder einen Interpretationsansatz noch eine Verständlichkeit der nicht zusammenhängenden Szenen finden kann. Im Nachhinein ziehe ich jedoch den imaginären Hut vor Büchners kritischem Blick für die damalige Zeit und die übertragene Darstellung in "Woyzeck", dessen Geschichte auf einem historischen Mordfall basiert.